Der Fall Eva Herman

Das J. B.-Kerner-Tribunal mit Eva Herman …
wurde vom normalen ´Menschen auf der Straße´ als Krankheitssymptom begriffen, für was auch immer. Das ist das einzig Erfreuliche an dieser Angelegenheit und gibt Anlaß zu vorsichtiger Hoffnung.
https://www.youtube.com/watch?v=8h478X2lQ1w&feature=youtu.be

Es war ja nur noch eine Frage Zeit: Wann würde die ´vierte Gewalt´ im Staate  als ´Titanic´ die Spitze eines Eisbergs ratschen und einen Gau verursachen?

Gemeint ist nicht der allerorten vermutete ´braune Sumpf´, sondern eine spießig-intolerante totalitäre links-liberal-feministische Staatsideologie, die zunehmend wie eine Hydra mit vielen Armen das Denken infiltriert und sowohl Medien- wie Politwelt unter unsichtbarem Banner vereint.

Kopf und Kragen

Eva Hermans berühmter Satz auf der Pressekonferenz, mit der sie ihr neues Buch vorstellte, war ein rhetorischer Verkehrsunfall und mißverständlich. Aber nur bei bösem Willen und aus dem Zusammenhang gerissen zitiert. Bis auf eine Ausnahme hatte zunächst keiner der mehr als 30 anwesenden Journalisten einen ´braunen Skandal´ gewittert. Letztlich aber hat die Meute den „7-Meter“ gesehen und verwandelt.

J. B. Kerner als Großinquisitor

In der anschließenden Talkshow beim ZDF war schon Kerners Eröffnung mit den Worten: „Was hast Du seither gelernt?“ eine arrogante Vorverurteilung, mit der er sich den Titel „Super-Nanny“ der politischen correctness verdiente. Sie stellte bereits die Weichen für einen offensichtlich zusammen mit der „Bild“ geplanten Eklat.
Einem Journalisten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hätte die Frage „Was hast du gemeint ?“ besser zu Gesicht gestanden.

Das kernersche TV-Tribunal hat Mediensoziologie – bislang nur als universitäre Disziplin in Erscheinung getreten – als Denksportaufgabe für jedermann salonfähig gemacht, wie zigtausende von Beiträgen in einschlägigen Internetforen demonstrieren. Das J.B.-Kerner-Tribunal wurde vom normalen ´Menschen auf der Straße´ als Krankheitssymptom begriffen, für was auch immer. Das ist das einzig Erfreuliche an dieser Angelegenheit und gibt Anlaß zu vorsichtiger Hoffnung.

„Derartige Schauprozesse waren … bisher nur aus Diktaturen bekannt.
Nun haben sie die Demokratie erreicht“,

schreibt z.B. Jörn Borchert im Internet-Blog „Kulturelle Welten“. Die erst durch die vielen Internetbeiträge veranlaßten Röntgenaufnahmen haben ernüchternde Bestandsaufnahmen und Diagnosen zur Verfassung der medialen Welt erbracht.

Rauswurf geht gar nicht

Es hätte sich für Eva Herman vermutlich weniger unheilvoll erwiesen, wenn sie (anstatt mit wertkonservativen Büchern unter dem Arm Talkshows zu besuchen) sich etwa mit verkokster Nase bei einer Orgie mit mehreren osteuropäischen Strichjungen hätte erwischen lassen oder ein Coming-out als Lesbe oder Pornoqueen gefeiert hätte.
Oder Steuergelder in großem Stil veruntreut hätte; Hotelzimmer zertrümmert oder Pararazzis verprügelt hätte, um Popularität und „Marktwert“ zu steigern; öffentlich für das Klonen von Menschen oder sog. Bio-Ethik plädiert hätte; Hiphop-Musik mit Texten im „Vagina-Style“ a´ la Lady Ray Bitch produzieren und damit bei Maischberger hausieren würde. Oder wenigstens als ehemalige Terroristin, Bankräuberin, Bombenlegerin  oder Entführerin von Industriemagnaten in Talkshows Furore machen würde: Man würde ihr mit ausgesuchter Höflichkeit begegnen. Wie J. B. Kerner vor einiger Zeit einer ehemaligen RAF-Terroristin (hier wäre die Frage: „Was hast Du seither gelernt“ eher angebracht gewesen – sie unterblieb jedoch).

Über all dies könnte Eva Herman auch Bücher veröffentlichen, wenn sie denn wollte, ohne Kopf und Kragen zu riskieren. Vielleicht hätte sie auch dann ihren Job beim NDR verloren. Aber wäre wohl nicht aus einer Talkshow geflogen und öffentlich gedemütigt und zur Unperson degradiert worden.

Aber wenn eine nichtakademische blonde TV-Moderatorin wertkonservative Bücher schreibt, in denen häusliches Leben nicht mit Isolationsfolter gleichgesetzt wird, dann „geht das gar nicht“. Dann gehen die Gäule der Journaille durch.

Kirchhof, Udo di Fabio, Schirrmacher etc. sind andere Kaliber, aber jetzt hat man endlich ein Opfer gefunden, bei dem man sich am Wertkonservatismus mal so richtig hysterisch abreagieren kann. Dabei sind es allenfalls Hexenjagden dieser Art, die man mit Fug und Recht als ewiggestrig bezeichnen könnte. Und so mancher gebildete Kopf zeigt nun, wie weit o. g. Ideologie ihn bereits infiltriert hat.
Wir fahr´n, fahr´n, fahr´n – auf der Autobahn …

Herman hat nicht „Autobahnen“ als Argument dafür angeführt, daß „nicht alles schlecht“ sei, was braun ist, sondern dafür, daß man heutzutage eine Vokabel wie „Gleichschaltung “ legitimerweise im Diskurs nutzen dürfen könne. I. ü. waren die Nazis für „Gleichschaltung“, Herman hat sich dagegen ausgesprochen. Aber wer interessiert sich jetzt – im allgemeinen Tumult – noch für Unterschiede, die Unterschiede machen ?

Abgründe von Denkunfähigkeit und Charakterlosigkeit tun sich auf, George Orwell und Ionesco lassen grüßen. Aber kann noch irgendetwas verwundern, wenn auf einem Parteitag einer großen Volkspartei – der SPD – jüngst allen Ernstes von der „Überwindung des Männlichen in der Welt“ als „Voraussetzung für eine bessere Welt“ gefaselt wurde ?

Seit Zlatko im ersten Big Brother-Container nicht trotz, sondern wegen seiner selbstbewußt zur Schau gestellten Ungebildetheit Kultstatus errang, ist sorgfältiges Nachdenken ohnehin unsexy und allenfalls noch etwas für langweilige Briefmarkensammler.

Erinnert sei an die gegen Herman gerichtete Anklage des als „Sachverständiger“ in die Kerner-Talkshow geladenen Berliner Historikers Wippermann „Sie dürfen Wert-konservatismus nicht mit Rechtsradikalismus verwechseln !“  (Es war das einzig Richtige, was der Mann an diesem Abend von sich gegeben hat.)

Obwohl es für solche Einsichten keines Geschichtsstudiums bedarf, hat Wippermann selbst das eine mit dem anderen verwechselt.

Viele gehen noch weiter und sehen Christentum und Wertkonservatismus längst geradezu als Nährboden für dumpfe rechtsradikale Parolen, nach dem Motto ´Wehret den Anfängen´.

Irregeleitete rückwärtsgewandte Tapferkeit statt Zivilcourage

Bemerkenswert, wie schnell so manches Blatt aufgrund der vielen Internetbeiträge aus dem Volk die Fahne nach neu erkanntem Wind ausgerichtete und nun nicht mehr Herman-Bashing betrieb, sondern plötzlich Intoleranz und Hysterie brandmarkte.

Basisdemokratisches Internet

Ein Lob auf das Internet, das immer deutlicher seine basisdemokratische Facette zeigt. Für das Medien-Opfer Herman kommt der bald darauf in den Medien zu beobachtende Sinneswandel allerdings zu spät. Und eine sachliche Auseinandersetzung mit dem, um was es eigentlich ging, den wertkonservativen Thesen Hermans nämlich, ist nun auch nicht mehr möglich. Ca. 200 einflußmächtige Medienschaffende haben das schnell verhindert. Sie sollten Eva Hermanns altbacken anmutende Mahnung zur „Einkehr“ tatsächlich beherzigen. Aber es war ja schon immer so: Die, die einer bitteren Medizin am meisten bedürfen, verweigern sich ihrer am standhaftesten.

Neuer Faschismus?

Sozialpsychologisch betrachtet ist der Grad der Skandalisierungs- und Erregungsneigung in einer Gesellschaft der eigentliche Gradmesser für das Vorhandensein von subtilem Faschismus in ihr. Und das gilt ganz besonders für Anti-Faschisten. Ob sie nun als Moderatoren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen oder pünktlich an jedem 1. Mai als ´schwarzer Block´ ihr Unwesen treiben. Die Skandalisierungsneigung grassiert heutzutage in den Medien als einer elitären „Erregungsgemeinschaft“ (Sloderdyk) in besonderem Maße. Andererseits üben sie ihre Macht häufig auch dadurch aus, dass sie schweigen, vernebeln oder relativieren, wenn begründeter Anlaß zur Empörung bestünde, hierdurch allerdings ihr links-liberales Weltverständnis in Bedrängnis geriete.

Es bleibt Hoffnung, dass die Zeit nach dem kernerschen Hexen-Tribunal nicht mehr die gleiche ist wie vorher. Und dass man sich noch lange an die geistlosen sonstigen Teilnehmer dieses Tribunals erinnert: Künstler und Komödianten, die unbeabsichtigt vorgeführt wurden in ihrer intellektuellen und politischen Unbedarftheit; vor allem aber in ihrer Charakter- und Rückgratlosigkeit, die ihren von Berufs wegen zur Schau getragenen Eigenschaften so gar nicht entspricht.