AfD: Von Hohmann bis Gedeon und zurück

Wolfgang Gedeon meldet sich mit einer brillianten Analyse zurück und erweist sich erneut als der wahre „Parteiphilosoph“ und Konzeptionalist der AfD. http://www.wolfgang-gedeon.de/2017/01/afd-eine-zionistische-partei/

Selbst die, die bei dem Wort „Zionismus“ sofort in Schockstarre oder politisch korrekte Schnappatmung verfallen (ich würde diesen schillernden und extrem missverständlichen Begriff nicht verwenden!), sollten in der Lage sein, sich wenigstens mit den restlichen 90 % seiner Positionen geistig auseinanderzusetzen. Eine AfD, die darauf verzichtet, springt programmatisch zu kurz; vielleicht verhilft ihr folgende Überlegung dazu:


Die AfD-Personalie Martin Hohmann

Der Ex-CDU-Politiker Martin Hohmann, der 2003 mit einer geschichtspolitischen, als antisemitisch kritisierten Rede zum Tag der Deutschen Einheit eine nach ihm benannte „Affaire“ auslöste und deshalb aus der CDU ausgeschlossen wurde, ist bekanntlich 2016 in die AfD eingetreten.
Der SPIEGEL zitiert Hohmann wie folgt: In der AfD könne Hohmann „nahtlos die Positionen vertreten, die ich schon vor 25 Jahren in der CDU vertreten habe“,  z.B.: „Eine Volksgemeinschaft muss wissen, wer dazugehört und wer nicht, wie viele Fremde man aufnehmen kann, ehe die Gemeinschaft ins Chaos fällt.“ Der SPIEGEL kommentiert: „Nächstes Jahr will der 68-Jährige wieder für den Bundestag kandidieren. (…) Hohmann will der CDU und vor allem Angela Merkel zeigen, dass es ein Fehler war, ihn wegen einer Rede mit antisemitischen Untertönen aus der Partei zu werfen.“
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/martin-hohmann-will-mit-der-afd-zurueck-in-die-politik-a-1098348.html


„Gott, Familie, Vaterland“

Hat die Personalie Hohmann irgendwen in der AfD gestört? Hat man auch ihm – wie Höcke und Gedeon – hämisch die NPD anempfohlen? Oder hat sich Hohmann von seiner denkwürdigen Rede distanziert? Nichts dergleichen war zu vernehmen. Es wäre auch schade ´drum, da seine damalige Rede gegen die ´Kollektivschuldthese´ nicht „antisemitisch“, sondern mutig und richtig war! Überhaupt: Hohmanns Motto „Gott, Familie, Vaterland“ finde ich ansprechend. Nie was es so wertvoll wie heute! [Und wie die Feierlichkeiten zu Donald Trumps Amtseinführung zeigten, die immer wieder von (christlichen!) Gebeten und Gesängen unterbrochen wurden, ist genau dieses Motto für das konservative Amerika immer noch selbstverständlich].

AfD ohne roten Faden

Warum erwähne ich das alles? Weil sich ständig zeigt, dass die AfD keine klare Linie und keinen wirklichen roten Faden hat! Aktuell versucht man sogar, den stellvertretenden NRW-Vorsitzenden, den Liberalkonservativen Martin Renner loszuwerden: Jedes Disko-Girl von der Jungen Alternative/NRW und jeden Ex-Schillpartei-Funktionär zieht man vor, Hauptsache pretzelltreu?  Gedeon hat recht damit, dass eine AfD, die zulässt, dass ihre unbequemen Denker Stück für Stück von den Karrieristen gefressen werden, sich am Ende jedenfalls in dieser Hinsicht kaum vom Kanzlerwahlverein CDU unterscheiden wird. Und schon mangels geistiger Substanz an der großen Herausforderung scheitern wird: Der vom deregulierten Finanzkomplex angefütterten, antinationalen und antichristlichen „One-World“-Sekte, die nicht erst seit der Grenzöffnung im September 2015 in Europa wütet, das Ruder noch rechtzeitig aus der Hand zu reißen. Um Deutschland und Europa zu retten.


An Recht und Verfassung prallen alle Nazikeulen ab

Hierzu muss man zum einen das große Heer der bisherigen Nichtwähler auf seine Seite ziehen, also auch sozialpolitischen Fragen ausreichenden Raum einräumen und darf dieses Terrain nicht der geschätzten Frau Wagenknecht überlassen, die immer wieder versucht, die AfD als neoliberale Partei vorzuführen.

Aber ebenso ist erforderlich, ausreichend große Teile der sogenannten bürgerlichen Mitte geistig-seelisch aus der Sekte zu befreien, ihre Köpfe und Herzen für die Idee des demokratisch legitimierten Nationalstaats und das Selbstbestimmungsrecht der Völker – einschließlich der europäischen(!) – zurückzugewinnen. Das wird m. E. bisher zu leise oder mit zuwenig Geschick versucht. Intellektueller Ausgangspunkt hierzu sollte weniger Geschichtspolitik, sondern vor allem Grundgesetz, Recht und Verfassung sein. Denn nur an ihnen prallen alle Nazikeulen ab.

Und wenn die jetzige Generation des Bundesverfassungsgerichts und der deutsche Juristentag sich bereits mehrheitlich – wie auch Bundestagspräsident Norbert Lammert – der Sekte anschließt? Dann muss man sich mit diesen orwell´schen „Juristen“, denen die Ideologie der Weltoffenheit und „Diversity“ wichtiger als der Rechtsstaat ist, eben anlegen! **


Weder ‚die Deutschen‘, noch ‚die Juden‘ sind ein „Tätervolk“!

Dennoch möchte ich anlässlich der aktuellen Debatte um Höckes Dresdner Rede und Gedeons aktueller AfD-Analyse heute mit etwas Geschichtspolitik schließen und die Erinnerung an die „Hohmann-Affaire“ ein wenig auffrischen; hierzu reicht ein kurzer Blick in WIKIPEDIA:

„Die folgenden Passagen aus der Rede brachten Hohmann den Vorwurf des Antisemitismus ein:

„Die Schuld von Vorfahren an diesem Menschheitsverbrechen hat fast zu einer neuen Selbstdefinition der Deutschen geführt. Trotz der allseitigen Beteuerungen, dass es Kollektivschuld nicht gäbe, trotz nuancierter Wortneuschöpfungen wie ‚Kollektivverantwortung‘ oder ‚Kollektivscham‘: Im Kern bleibt der Vorwurf: die Deutschen sind das ‚Tätervolk‘.“

„Auf diesem Hintergrund stelle ich die provozierende Frage: Gibt es auch beim jüdischen Volk, das wir ausschließlich in der Opferrolle wahrnehmen, eine dunkle Seite in der neueren Geschichte oder waren Juden ausschließlich die Opfer, die Leidtragenden?“

„Meine Damen und Herren, es wird Sie überraschen, daß der amerikanische Autokönig Henry Ford 1920 ein Buch mit dem Titel ‚The International Jew‘ herausgegeben hat. […] Darin prangert Ford die Juden generalisierend als ‚Weltbolschewisten‘ an. Er vermeinte, einen ‚alljüdischen Stempel auf dem roten Rußland‘ ausmachen zu können, wo damals die bolschewistische Revolution tobte. Er bezeichnete die Juden in ‚hervorragendem Maße‘ als ‚Revolutionsmacher‘. […] Ford brachte in seinem Buch eine angebliche ‚Wesensgleichheit‘ von Judentum und Kommunismus bzw. Bolschewismus zum Ausdruck. Wie kommt Ford zu seinen Thesen, die für unsere Ohren der NS-Propaganda vom ‚jüdischen Bolschewismus‘ ähneln?“

„Mit einer gewissen Berechtigung könnte man im Hinblick auf die Millionen Toten dieser ersten Revolutionsphase nach der ‚Täterschaft‘ der Juden fragen. Juden waren in großer Anzahl sowohl in der Führungsebene als auch bei den Tscheka-Erschießungskommandos aktiv. Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als ‚Tätervolk‘ bezeichnen. Das mag erschreckend klingen. Es würde aber der gleichen Logik folgen, mit der man Deutsche als Tätervolk bezeichnet.

Daher sind weder ‚die Deutschen‘ noch ‚die Juden‘ ein Tätervolk. Mit vollem Recht aber kann man sagen: Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts […]. Mit Gott in eine gute Zukunft für Europa! Mit Gott in eine gute Zukunft, besonders für unser deutsches Vaterland!“[1]

Hohmanns Argumentation:

Anders als in den Medien zunächst berichtet, bezeichnete Hohmann die Juden in seiner Rede tatsächlich nicht explizit als Tätervolk, stellte aber gleichwohl fest, dass man sie unter gewissen Voraussetzungen so nennen könnte, und listete dafür eine Reihe von Gründen auf. Diese Auflistung macht einen Großteil der Rede aus. Seine Argumentation ähnelt dem klassischen Syllogismus und lässt sich als Dreischritt wie folgt zusammenfassen:

1. Den Deutschen werde wegen der nationalsozialistischen Verbrechen der Vorwurf gemacht, ein „Tätervolk“ zu sein.
2. Juden hätten während der bolschewistischen Revolution auch Verbrechen begangen, ohne ein „Tätervolk“ genannt zu werden.
3. Da man die Juden trotz dieser Verbrechen nicht als „Tätervolk“ bezeichnen könne, sei diese Bezeichnung auch gegenüber den Deutschen unangebracht.

Von Kritikern wird Hohmann vorgeworfen, er verfolge in seiner Rede zusätzlich eine verborgene Argumentation, welche antisemitische Stereotype verbreite, von denen er sich nur zum Schein distanziere. Diese verborgene Argumentation erfolge in vier Schritten:

1. Zunächst fragt er: Wie kommt Ford zu seinen Thesen, die für unsere Ohren der NS-Propaganda vom „jüdischen Bolschewismus“ ähneln?

2. Der folgende Teil der Rede Hohmanns führt zahlreiche Argumente bzw. Scheinargumente auf, welche erkennbar machen, dass Hohmann die Sichtweise von Ford für stichhaltig hält.

3. Danach erläutert Hohmann: „Wir müssen genauer hinschauen. Die Juden, die sich dem Bolschewismus und der Revolution verschrieben hatten, hatten zuvor ihre religiösen Bindungen gekappt.“
[Anm. AH: So wie auch die National-SOZIALISTEN „zuvor ihre religiösen Bindungen gekappt hatten“: Zum Christentum!]

4. Zum Schluss seiner Rede macht Hohmann im Unterschied zu Ford deutlich, dass er nicht Juden für gefährlich hält, sondern ganz allgemein Gottlosigkeit und „gottlose Ideologien“.

Die Ausführlichkeit, mit der Hohmann Argumente gegen Juden anführt, sowie seine Weigerung, sich von Fords Thesen zu distanzieren, wird von Kritikern als Ausdruck antisemitischen Denkens betrachtet.“ [Ende Wikipedia-Zitat]


Schluß mit „Tätervolk“!

Hohmann hat – wie Höcke und Gedeon – im Kern recht: Wir müssen den aufrechten Gang wieder einüben! Für mich steht jedenfalls fest, dass wir Nachgeborenen uns vom Stigma des „Tätervolks“, das bis in alle Ewigkeit für seine „Kollektivschuld“ büßen und den Nachfahren der Opfer und Siegermächte Tribut leisten soll, befreien müssen.

Und dass wir uns mit allen Gruppierungen kritisch auseinandersetzen dürfen, ja sogar müssen, die genau das von Deutschland verlangen, selbst, wenn es sich um den Zentralrat der Juden handeln sollte. Andernfalls werden wir den heutigen Herausforderungen als Staat und Volk („EURO-Krise“, „Flüchtlingskrise“, Islamisierung etc.) nicht gewachsen sein.

Wie heisst es so schön: Sage mir, wen Du nicht kritisieren darfst und ich sage Dir, wer Dich beherrscht.


Beitrags-Bild: By Lighttracer (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

** PS.: Die oben angesprochene juristische Auseinandersetzung bedarf eines kompletten (allgemeinverständlichen) Buches – ich arbeite dran, allerdings notgedrungen in meiner Freizeit, wodurch sich das Projekt immer wieder verzögert. Falls jemand Kontakt zu einem Verlag hat, der hierfür in Betracht käme, bin ich für jeden Hinweis dankbar!

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