Konservative „Metapolitik“ und AfD

Über die Bedeutung von konservativer Metapolitik für die AfD

Warum der konservative Soziologe Manfred Kleine-Hartlage („Die liberale Gesellschaft und ihr Ende“, 2013) „Metapolitik“ und Metaideologie soviel Bedeutung beimisst, habe ich allenfalls theoretisch, nicht aber hinsichtlich ihrer praktischen politischen Konsequenzen verstanden. Bis der sog. ´Abgrenzungsbeschluss´ der neuen Partei AfD erfolgte.

Dort verwendet man eine bemerkenswerten Begriff: „Islamophobie“. Hiermit soll nicht etwa eine Unterscheidung zwischen phobischer – also geisteskranker – und gesunder Islamkritik getroffen werden, die nur ´getroffene Hunde´ stören sollte. Es handelt sich vielmehr um ein sog. ´Schlag´-Wort. Mit dem jegliche Islamkritik – selbst von professoraler Seite vorgebrachte – in Bausch und Bogen aus dem innerparteilichen Diskurs ausgemerzt werden soll.  Zwar wurde bald darauf verkündet:

     >>Liberale und libertäre Ex-Mitglieder werden aufgenommen, wobei auch die vernünftige   Kritik an Islamisten, Scharia, Diskriminierung von Frauen etc. kein Hinderungsgrund ist.“ Doch fügt Dilger hinzu: „Islamophob, mit der Religionsfreiheit des Grundgesetzes und damit auch einer AfD-Mitgliedschaft unvereinbar ist es hingegen, undifferenziert jeden Muslim als Islamisten oder gar Terroristen zu betrachten und zu bekämpfen.“<< http://www.lokalkompass.de/dortmund-city/politik/alternative-fuer-deutschland-nrw-mitgliederantraege-werden-sehr-sorgfaeltig-geprueft-d350907.html

Jedoch: Wem – oder welcher Partei – unterstellt eigentlich Prof. Dilger, „undifferenziert jeden Muslim als Islamisten oder gar Terroristen zu betrachteten und zu bekämpfen“ ? M. E. trifft das auf die Partei ´Die Freiheit´ nicht zu. Um diese ging es aber gerade. Ein Beispiel wäre hilfreich gewesen. Man dreht sich abgrenzungstechnisch im Kreise.

Man könnte darüber streiten, ob das taktisch klug ist im Hinblick auf kurzfristige politische Ziele und der Überschreitung von %-Klauseln. Das will ich hier nicht tun. Mir reicht hier die Feststellung, dass es der Sache nicht dient. Welcher Sache ? Nun, Afd ist die Abkürzung für „Alternative ´für Deutschland´“. Und insoweit ist besagtes Schlagwort etwa so hilfreich, wie wenn jemand die Feuerwehr ruft und sich dann heimlich auf den Schlauch stellt.

„Metapolitik“. Auf eine Kurzformel gebracht: Solange sich Konservative im politischen Diskurs vom links-liberal-grünen Mainstream realitätsvernebelnde George-Orwell-Floskeln aufdrängen lassen, die eine Zensurschere in den Köpfen ihrer Mitglieder und vor allem ihrer Delegierten bewirken, nützt auch der Einzug in Parlamente nichts; denn die dort einziehenden Abgeordneten nehmen die Schere ja mit dorthin.

Beispiel CDU
Man vergegenwärtige sich, welchen Linksruck selbst eine große, erfolgreiche bürgerliche Partei wie die CDU in den letzten Jahrzehnten durchlaufen hat. Wie war das möglich ? Weil man zugelassen hat, dass die Grünen zur Bewegung wurden, ihre Milieus permanent – bis zu ihr hin – ausweiteten und die politischen Begriffe definierten. Ihren Begriff von Lebensart und Kultur ad absolutum setzten (anschauliches Beispiel: weite Teile Berlins), der daher totalitäre Züge annehmen und zur Mono- und damit Unkultur werden konnte, was mittlerweile kaum noch auffällt. Eben die Metapolitik bestimmten.

Das Beispiel der CDU zeigt: Eine sich als ´konservativ & bürgerlich´ (i. Ü. ja auch christlich, wie ich mir habe sagen lassen) auffassende Partei kann noch so viel Macht und Wählerprozente erringen; wenn sie hiervon keinen – oder falschen – Gebrauch macht, weil sie die Schere im eigenen Kopf irgendwann schon selber nicht mehr erkennt, nützt es nichts, sondern schadet dem Land (und Europa) nur. Ausnahmen wie der geschätzte Herr Bosbach übernehmen dann leider nur noch Feigenblatt-Funktion.

Und wie sich gerade jetzt erweist, ist „nach der Wahl“ immer auch ´vor´ der Wahl, was im Zweifel bis zum St.-Nimmerleins-Tag gilt.

Totalitärer Globalismus
Der EURO bzw. die Politik zu seiner ´Rettung´ ist ja lediglich ein – wenn auch ein sehr wichtiges – Symptom innerhalb eines umfassenderen Syndroms, das man totalitären Globalismus nennen könnte, wie ich in meinem auf CitizenTimes.eu erschienenen Artikel http://www.citizentimes.eu/2013/09/02/freiheit-aufklaerung/ aufzuzeigen versuchte. Mit graduellen Verbesserungen bei der EURO-Politik alleine wird die ´Abschaffung Deutschlands´ und des ´Europas der Vaterländer´ daher nicht zu verhindern sein. Es besteht leider längst die Notwendigkeit, an mehreren ´Brandherden´ gleichzeitig zu löschen.

Angesichts der heutigen, abgrundgeneigten ideologischen Schieflage kann das nur noch eine sozial-konservative bürgerliche Volkspartei bewirken, die sich eindeutig zu Familie, dem Mittelstand, christlich-abendländischen Werten, dem eigenen Volk und einem friedlich miteinander kooperierenden ´Europa der Vaterländer´ bekennt, zu einer Rückkehr zum Grundgesetz, zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, zu Maastricht, zu Meinungsfreiheit, zur Wiedereinhegung des Finanzsektors und außenpolitisch zu einer Verteidigungs-Armee. Und auch „Zuwanderungsfragen“ neu dekliniert. Was mit der derzeitigen hartnäckigen Islamblindheit von vorne herein nicht geht. Das Schlagwort von der „Islamophobie“ hat in einer so skizzierten Partei rein gar nichts verloren.

Ägyptenflagge im Sonnenuntergang

Islamistischer Druck wird ja nicht nur auf Christen, sondern auch auf moderate Muslime ausgeübt, wie sich weltweit zeigt ! Wie z. B. aktuell in Syrien. Und in Ägypten kam jegliches ziviles Leben so lange zum Erliegen, bis das Militär dem Wunsch der Bevölkerungsmehrheit nachgekommen ist und – gegen sämtliche moralischen Vorhaltungen und Drohungen des Westens – gesagt hat „Schluß jetzt mit lustig !“

In England hingegen wird es wohl bereits in 10 Jahren mehr Moslems als Christen geben. Derweil erwägt der nordrheinwestfälische Innenminister, „Scharia-Gerichte“ hierzulande als vermeindlich friedensstiftende Einrichtungen zu akzeptieren. (Achtung: Das ist nicht kulinarisch gemeint.) Schiedsgerichte gäbe es ja auch in Parteien oder „im Sport“ …

Selbst im gelobten ´Einwanderungs-´Land Kanada scheint eine unterwandernde Islamisierung vonstatten zu gehen, da auch die dortigen Einwanderungsgesetze unter der Flagge von „Schutzbedürftigkeit“ von Flüchtlingen und (generationenübergreifender) „Familienzusammenführung“ (z. B. mit verschleierter Polygamie) mißbraucht werden.

Und wenn hierzulande nur ca. 2 % der Asylbewerber rechtlich anerkannt werden (Zahlen 2012; hinzukommen allerdings die Flüchtlinge gem. Flüchtlingskonventionen), ist es z. B. ein falsches SIGNAL, den Bewerbern Arbeitserlaubnis zu erteilen. Vielmehr sollte man darauf hinarbeiten, Asylverfahren zu verkürzen, etwa durch Aufstockung der Personaldecke bei der zentralen Behörde und der Verwaltungsgerichtsbarkeit. Und anschließend auch insoweit – neben der immer weniger beachteten ´Drittstaaten-Regelung´ – „das Recht“ durchsetzen, nämlich  Rückführung nach rechtskräftiger Ablehnung. I. Ü. hiesige Ressourcen besser in Entwicklungshilfe investieren. Dann wollen bald auch weniger  Armutsflüchtlinge mit dem Schiff nach Lampedusa. (So, und jetzt dürfen Sie auf mir rumschlagen, weil ich so ´herzlos´ bin, Mister Tageschau).

Für die AfD folgt m. E. aus alledem: Nicht kurzsichtige Anpassung  (weder nach außen, noch nach innen), sondern mittelfristige Strategie ist angesagt. Es besteht ein großes konservatives Potential hierzulande – von linkskonservativ bis rechtskonservativ. ´Bestseller´ wie die von Thilo Sarrazin belegen das. Dieses sollte nicht mit unglücklich gewählten Begriffen wie „Islamophobie“ und Unterstellungen wie „latente Fremdenfeindlichkeit“ gespalten werden. ´Rassisten´ und  ´Ausländerfeinde´ gehören selbstverständlich nicht dazu ! Aber die Definition, wer darunter fällt, überlässt man besser nicht Brandstiftern der ´Antifa´ und ihren politischen Biedermännern oder der ´grünen Jugend´. Oder Türkeiverbänden. Und auch nicht einem sehr fragwürdig besetzten ´Anti-Rassismus-Komitee´ der UNO; insoweit gilt das arabische Sprichwort: Der Hund bellt – die Karawane zieht weiter.

Angriff ist die beste Verteidigung
Der ´rechte´  Dämon ist eine Schimäre. Es hat sehr viel Energie gekostet, ständig mit ausgeklügelter Rhetorik armerudernd zu deklamieren, dass man mit ihm nichts zu tun haben will, obwohl das doch eine Selbstverständlichkeit ist. Gegen ´Nazikeulen´-schwingende Publizisten und TV-Moderatoren dürfte es nur eine wirksame Verteidigung geben: den Angriff. Die gute Nachricht ist nämlich: Die Faktenlage spricht für die Konservativen. Die Fakten liegen quasi auf der Straße. Bzw. im Internet. Man braucht sie nur aufzusammeln,  zu gewichten, zu ordnen und der Gegenseite unter die Nase zu reiben. Im Bereich ´EU-Kritik´ z. B. hat Henryk M. Broder es vorgemacht mit seinem Buch „Die letzten Tage Europas“. Schätzungsweise hat er hiermit mehr oder weniger jeden seiner Leser von EU-Gläubigkeit – und vielleicht auch ein Wenig von ´Nationalphobie´ – bekehrt. In 4 Jahren ist Showdown.

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12 Gedanken zu „Konservative „Metapolitik“ und AfD“

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich habe den Artikel mit großer Aufmerksamkeit gelesen und aufgenommen, allerdings musste ich alles zweimal lesen, diese intellektuell gehobene Sprachebene mag für andere ein größeres Hindernis sein, aber mein Interesse wird dadurch nicht geschmälert, ich bleibe dran und werde Ihre Nachrichten mit großem Interesse verfolgen, Grüße aus der Paderborner Schweiz sendet Ihr Eckhard Hinz

  2. Hallo Her Hinz, Sie sind der erste Kommentator auf diesem neuen BLOG und ich freue mich, dass der Artikel Ihnen gefällt ! 🙂
    LG zurück nach – ´Paderborner Schweiz ´ (?)

  3. Danke für Ihre klaren Worte an die AfD. Wir brauchen eine echte Alternative für Deutschland, eine Alternative, die nicht blind auf dem Islamischen Auge und damit nicht schon bei der Geburt behindert ist. Das erfordert Mut in diesem linksgrünen Deutungshoheitswahn, der auch konservative Kräfte befallen hat.
    Wir brauchen weiterhin solche Lichtblicke in der westlichen Abenddämmerung.

    Beste Grüße

    Jenni Flieg

  4. Hallo Herr Heumann,
    Sie haben meine Seelenlage sehr gut getroffen und besser formuliert als ich es bisher vermochte. Ihr Einverständnis vorausgesetzt werde ich einige Formulierungen übernehmen. Sie sollten einen Beitritt zur AfD ins Auge fassen, damit durch Klartext andere ermutigt und Nachplapperer PC-korrekter Sprüche zum Nachdenken gebracht werden.
    Freundliche Grüße aus Hessen
    Georg Knippel

    1. Hallo Herr Knippel,
      danke ! Ich bin seit längerem Mitglied, habe mir dennoch erlaubt, die momentan etwas verworrene Situation jetzt, nach der Wahl, einmal aus Distanz zu betrachten.
      Klar haben Sie mein Einverständnis, wäre nett, wenn Sie dann mich dann erwähnen.
      Freundliche Grüße zurück !
      AH

  5. Eine Phobie ist eine krankhafte Angst, deren Ursache nicht in einer realen Gefahr besteht.
    Leider ist der Islam eine reale Gafahr für Demokratie, westliche Werte, Freiheit im Sinne von weitgehender Selbstbestimmung im Denken und Handeln.
    Der islamische Mensch ist dagegen weitgehend fremdbestimmt durch die community, deren sozialer und ideologischer Kontrolle, die im Rahmen der sog. Tradition erfolgt, er sich nur schwer entziehen kann.
    Dies‘ gilt insbesonders für die Frauen, von denen im besonderen Mass das Ansehen (die Ehre) der Familie abhängt.
    Angst vor dem Islam könnte man auch als Angst vor der damit verbundenen Fremdbestimmung und sozialem Zwang bezeichnen (somit also durchaus real begründete Angst, keineswegs eine Phobie).
    Natürlich gibt es auch durchaus Mohammedaner, die weniger traditionelle Werte leben und in der Westlichen Moderne angekommen scheinen.
    Was man jedoch selten erleben wird: Daß sie dies‘ offensiv gegenüber ihren Glaubensbrüdern vertreten. Da greift dann wieder die soziale Kontrolle, das ungeschriebene Gesetz, daß man den Islam und seine Bräuche nicht kritisiert, vielmehr dem islamischen mainstream seinen Tribut zollt.
    Im Zweifel werden eben nicht unsere westlichen Werte verteidigt, sondern islamische Tradition – mag sie noch so archaisch sein.

  6. Hallo Herr Heumann,

    habe ebenfalls mit großem Interesse Ihre Ausführungen gelesen, denen ich weitgehend zustimme. Vielen Dank.
    Dass dieses unsägliche Wort „islamophob“ durch seine inflationäre Verwendung geradezu geadelt wird ist mir ein einziger Gräuel.
    Ich freue mich schon auf Ihren nächsten Kommentar.
    Viele Grüße aus Österreich!
    A. Makende

  7. Ich bin sicher, dass die AfD-Strategen ähnlich kluge Überlegungen anstellen. Nur werden sie sich (nach ihrer eigenen Aussage) hüten, öffentlich über ihre Strategie zu sinnieren. Angesichts der Kräfteverhältnisse scheint mir die kurzfristige (nicht „kurzsichtige“) Anpassung richtiger zu sein. Besser jedenfalls als ein voreiliger – weil aussichtsloser – Angriff des frisch geschlüpften nationalen Kükens. Schließlich handelt es sich bei dem Gegner um einen internationalen, übermächtigen Block. Der würde notfalls nicht davor zurückschrecken, ihm (wie so vielen vor ihm) mit allen Mitteln den zarten Hals umzudrehen.

    Jedenfalls: Hervorragende Seite, Lesezeichen ist angelegt.

  8. Sehr geehrter Herr Heumann, vielen Dank für diese interessante und kluge Betrachtung, die den Kern der Problematik m. E. gut herausarbeitet/ erklärt und auf den Punkt bringt.
    Ich überlege, das an die drei Bundessprecher der AfD (Lucke, Petry, Adam) weiterzuleiten.
    Könnte den dreien sicher auch eine weitere Hilfe sein, nicht (unbeabsichtigt) in die Fallen des politischen Gegners zu tappen.

  9. Die AfD ist nicht angetreten, um sich politisch korrekt zu äußern. Das gilt selbstverständlich nach allen Seiten hin.

    Weder die Altparteien haben einen Anspruch darauf, der AfD vorzuschreiben, wie sie sich ausdrücken hat. Noch hat ein selbsternanntes elitäres Clübchen patriotisch-konservativer Fundamentaloppositioneller das Recht dazu.

    Herr Lucke kann Worte verwenden, wie er will. Wenn er sagen will, dass die Demokratie in Deutschland entartet ist, kann er das sagen. Wenn er meint, dass einige Islamkritiker übertriebene Vorstellungen haben, dann kann er sie als „islamophob“ bezeichnen.

    Es wird natürlich immer irgendwelche Klugscheißer geben, die meinen sie hätten das Recht anderen Leuten irgendwelches Sprechcodes vorzuschreiben, but who cares?

    1. Selbstverständlich können Parteispitzen „Worte verwenden wie sie wollen“, werden allerdings – jedenfalls in einer Demokratie – damit leben müssen, dass das kritisch begleitet und kommentiert wird. Auch wenn es immer irgendwelche „Klugscheißer“ geben wird, denen das nicht passt. So einfach ist das !

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